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Mittwoch, 15. September 2010

Ratcon 2010 – DSA: Sandbox oder Story


Auf dem Ratcon 2010 fand am Freitag Abend in einbrechender Dunkelheit der Workshop DSA: Sandbox oder Story? mit Thomas Römer statt, auch Uli Lindner war zeitweise anwesend.

Zu Beginn definierte Thomas Römer die beiden Konzepte, demnach versteht sich die Sandbox eben als der "Sandkasten", also eine Bühne, auf der die Helden agieren. Meisterpersonen erhalten durchaus Eigenschaften, Ziele und ein Konfliktverhalten, es gibt jedoch keinen festgelegten Plan oder Ausgang. Die Helden agieren in diesem Konzept also frei und nach ihrem eigenen Plan und daraus ergibt sich dann ein Abenteuer. Die hierbei gegebene große Handlungsfreiheit für Helden ist nur schwierig mit dem aventurischen Konzept fortlaufender Geschichte und damit verbundenen feststehenden Handlungssträngen zu vereinen, auch bisherige DSA-Abenteuer sind zumeist nicht Sandbox.
Laut Thomas Römer soll vor allem Uthuria Sandbox werden, in Aventurien entsprechen die Dunklen Zeiten und die Region Nostria und Andergast am ehesten diesem Konzept. Uhuria wird mit einer "Entdecker-Kampagne" eingeführt und später durch eine Geographia Uthurica beschrieben werden. Dabei soll es möglichst viele Freiräume für die Helden geben, allerdings werden auch im Setting Uthuria gewisse Meilensteine vorgegeben sein. Dies jedoch in weitaus geringerem Maße, als in Aventurien und auch mit weniger detailliertem Plan. Als Beispiele für derartige Ereignisse wurden Wechselwirkungen mit Aventurien benannt, so sei es möglich, dass aus Aventurien bekannte Meisterpersonen auch in Uthuria auftauchen, auch die Suche nach einem "Boronartefakt" in Uthuria entspricht nicht unbedingt dem Konzept Sandbox. Laut Thomas Römer ist demnach auch Uthuria keine reine Sandbox, kommt dem aber sehr nahe. Um einen Einfluss der Helden deutlich zu machen plant man auch ein Feedback-System, bei dem für künftige Publikationen Ereignisse so beschreiben werden sollen, wie sie die Mehrheit der Spielrunden erlebt hat. Wie dieses Feedback erfolgen soll wurde jedoch nicht bekannt gegeben.
Die Dunklen Zeiten beschreiben auch ein bestimmtes Setting – einen Abschnitt aventurischer Geschichte – in dem einige feststehende Ereignisse geschehen. Dennoch bestehen derart viele Lücken, dass Helden durchaus auch "Horas anstelle des Horas " werden können, und sollten bestimmte Ereignisse im Spiel in den Dunklen Zeiten anders als beschreiben ablaufen, so kann dies noch immer mit einer fehlerhaften aventurischen Geschichtsschreibung erklärt werden. Des weiteren werden neben der Box keine weiteren Publikationen zu den Dunklen Zeiten erscheinen, so dass hier keine zusätzlichen Erzählstränge beachtet werden müssen.
Nostria und Andergast sollen als definierte Einsteigerregionen Neulingen die Möglichkeit geben eigene Abenteuer zu spielen, ohne mit der laufenden aventurischen Geschichte in Konflikt zu kommen. Daher sind für diese Setting keine großen Veränderungen geplant und die dortige Region gilt als recht frei für Heldengruppen.
Als Beispiele für Abenteuer in Aventurien mit Sandbox-Anteil wurden Von eigenen Gnaden und die Königsmacher-Kampagne genannt.

Story dagegen steht für die bei DSA üblichen Abenteuer, in denen es feststehende Szenen und einen Handlungsablauf gibt. Nach Thomas Römer erlaubt dies nicht nur eine bessere Verbindung von aventurischer Geschichte und Abenteuern, sondern ermöglicht eine genaue dramaturgische Planung von Ereignissen und dadurch auch Pathos. Dabei ist die Handlungsfreiheit der Helden jedoch sehr eingeschränkt.
Typische Beispiele für dieses Vorgehen sind die Kampagne um die Sieben Gezeichneten und Das Jahr des Feuers.

Auch Myranor wurde mit dem Konzept Sandbox angekündigt und vertritt es durchaus, unterscheidet sich aber in wesentlichen Punkten von den Planungen für Uthuria. So gehe man beim Spiel in Uthuria eher von aventurischen Helden aus, während man in Myranor eher mit myranischen Helden spielt. Neben dem unterschiedlichen Hintergrund der Welten führte Thomas Römer auch die freie Zauberei in Myranor als Unterscheidungsmerkmal an.

Zur Frage, wie Helden künftig an Ereignissen der aventurischen Geschichte beteiligt werden sollten, erläuterte Thomas Römer, dass der Metaplot als ein Bühnenbild geplant sei, innerhalb dessen die Helden möglichst frei agieren sollen. Ein derart große Macht von Helden, wie etwa in der Borbarad-Kampagne, ist nicht unbedingt angedacht, da die Einschränkung der Handlunsgfreiheit in diesem Fall bei festgelegtem Abenteuerausgang eher zu groß sei, Man wolle sich beim Umgang mit dem Metaplot in Abenteuern eher an der Königsmacher-Kampagne mit ihren Ankerpunkten orientieren, bei Abenteuern die keine große Auswirkungen auf die aventurische Geschichte haben ist auch eine Präsentation unterschiedlicher Ausgänge möglich, man plant insgesamt also die Handlungsfreiheit der Helden zu erhöhen, jedoch sieht die Redaktion hierbei auch ein Vermittlungsproblem mit DSA-Autoren, die häufig Abenteuer mit romanhaften Zügen liefern würden.

Schließlich kam es noch zu einem Stimmungsbild bei den dem die Teilnehmer des Workshops gefragt wurden, ob sie Sandbox oder Story präferieren würden, dabei stellte Thomas Römer ein Stimmgewicht von 60 zu 40 zugunsten von Story fest, jedoch wurde die Fragestellung kritisiert, da man sich Mischformen wünsche.

Berichte von der RatCon

Vergangenes Wochenende fand im Dortmunder Fritz-Henßler-Haus die 15. RatCon statt. Anlässlich dieses Jubiläums hatten sich die Veranstalter einige Besonderheiten einfallen lassen, die es in den Vorjahren noch nicht gegeben hatte. So erwartete den Besucher gleich nach Betreten des Geländes ein kleiner Mittelaltermarkt mit Verkaufsständen und Gewandeten, von dem bisweilen Waffenklirren und manchmal sogar Musik herüberklang. Neu war auch ein schön aufbereitetes, farbig gedrucktes Programmheft, das man zusammen mit dem neu erschienen T-Abenteuer "Ein Stein im Nebel" von Mike Antonowitsch und Volker Weinzheimer am Eingang in die Hand gedrückt bekam. Leider war auch dieses Programmheft, wie seine Vorgänger, nicht mehr ganz auf dem letzten Stand, sodass man doch immer wieder am Info-Point kontrollieren musste, ob die gesuchte Veranstaltung noch immer zur selben Zeit und am selben Ort stattfand.
Höhepunkt der Neuerungen / Besonderheiten stellte sicherlich die Feuershow am Samstag Abend im Anschluss an das Amber-Konzert dar, bei der zwei Tänzerinnen beeindruckende Tänze mit Fackeln und Feuerschalen vollführten. Einen Eindruck der Show liefert auch ein kurzer Con-Film, auf den weiter unten noch eingegangen wird.

Ansonsten gab es wie in jedem Jahr zahlreiche Verkaufsstände für Bücher und Rollenspielprodukte, eine Menge Workshops zu diversen Themen und Roman-Lesungen. In der Gartenhalle konnte man sich wie schon in den Vorjahren seinen Helden von den offiziellen DSA-Illustratoren zeichnen lassen, deren Zahl in diesem Jahr auf ca. 8 Personen angewachsen war. In der Gartenhalle präsentierte sich auch, wie schon im letzten Jahr, das Dere-Globus-Projekt mit großem Beamer. Am Samstag Abend war dies auch der Ort des Amber-Konzertes, das wie schon in den Vorjahren gut besucht war und zum mittanzen animierte. Leider jedoch zum vorerst letzten Mal, denn Sängerin Martina Nöth kündigte eine etwa zweijährige Pause an, in der man an einem neuen Album arbeiten wolle.
Im Theatersaal feierte am Samstag Abend zu später Stunde der vierte Teil des DSA-Fan-Films "Leuenklinge" Premiere. Auch dieses Mal konnten die Macher wieder einen echten Prominenten für ihre Produktion gewinnen: Der aufmerksame Zuschauer mag DSA-Redakteuer Uli Lindner als Special Guest wiedererkennen.
Dem eigentlichen Film ging ein zehnminütiger "Trailer" zum neuen Film "Lego Prince of Persia - the Videogame - the Movie by Uwe Boll" voraus. Natürlich eine Parodie auf das Werk des bekannten Filme-Machers.

Neu war in diesem Jahr auch das Quiz "Magister der Magister", das am Samstag Nachmittag in zwei Runden ausgetragen wurde. DSA-Redakteur Uli Lindner brachte die Teilnehmer mit kniffligen Fragen, die wohl selbst der aventurische Magister der Magister nicht alle hätte beantworten können, kräftig ins Schwitzen. Am Ende jedoch war ein Sieger gekürt, der sich nun für ein Jahr Magister der Magister nennen darf. Im kommenden Jahr soll das Quiz wiederholt werden.
In neuem Kleid erschien ebenso die Podiumsdiskussion, bei der sich die DSA-Redakteure Uli Lindner, Thomas Römer und Thomas Finn den Fragen von Moderator Tobias Hamelmann und dem Publikum zum Thema "schwarz-weiß, grau oder bunt: welche Farbe hat Aventurien" stellten. Anstatt wie früher alle anwesenden Redakteure auf der Bühne zu versammeln und sie ein kleines Statement über ihre Arbeit geben zu lassen, will man auch zukünftig bestimmte Positionen zu festgelegten Themen von ausgewählten Redakteuren vertreten lassen. Zumindest ergab eine Abstimmung im Publikum, dass diese Form der moderierten Diskussion auch zukünftig gewünscht wird. Fraglich bleibt, ob damit die traditionelle Möglichkeit, hier alle Fragen rund um das Thema DSA zu stellen, verloren geht.

Neuerscheinungen gab es auch. Auf der RatCon konnten bereits die Setting-Box "Die Dunklen Zeiten - Imperien in Trümmern" von Uli Lindner und das Almada-Abenteuer "Der Mondenkaiser" von Michael Masberg und Daniel Simon Richter als "Pre-Release" erworben werden. Beide Produkte sollen noch diesen Monat erscheinen.


Im Internet finden sich bereits einige Con- und Workshopberichte:
  • Bei dsa4.de gibt es Informationen zum Produktplan (folgen auch demnächst hier) und zum Workshop DSA - Sandbox oder Story.
  • Im Ulisses-Forum gibt es Workshop-Zusammenfassungen zu den Kreaturen Myranors und zum Uthuria-Workshop.
  • Bei Alveran hat User Hullheimer auf sein RatCon Video aufmersam gemacht. Das zehnminütige Video liefert ein paar Eindrücke von der Con, u.a. auch von der bereits erwähnten Feuershow.
  • Con-Zeichnerin Diana Rahfoth hat auf ihrer Seite einen ganz persönlichen Rückblick auf die Con geworfen.
  • Und auch bei der Wiki-Aventurica bemüht man sich um eine vollständige Zusammenfassung der Con. Einige Workshop-Berichte finden sich auch hier.

Nandurion ist auch weiterhin an Workshop-Berichten und Con-Eindrücken interessiert und hofft auf zahlreiche Hinweise.